Textarbeit mit KI & Verantwortung
Warum ein Mensch jeden Text verantworten muss
Generative Textmodelle formulieren inzwischen flüssig, orthografisch sauber und ohne Tippfehler. Mit fehlerfreien Sätzen lässt sich folglich kein Geld mehr verdienen, doch genau deshalb ist professionelle Textarbeit wichtiger denn je.
Ein Sprachmodell erzeugt seine Sätze aus Wahrscheinlichkeiten. Es weiß nicht, ob zutrifft, was es behauptet, es vertritt keine Haltung, und es kann für nichts einstehen. Sofern Ihr Name auf dem Buch steht, auf der Dissertation oder auf der Unternehmensseite, haftet dafür kein Modell, sondern Sie.
Seit August 2026 hat sich in diesem Bereich auch die Rechtslage bewegt. Die europäische KI-Verordnung verlangt in Artikel 50 bei bestimmten Textsorten einen Hinweis auf die maschinelle Herkunft, wobei diese Pflicht entfällt, sobald ein Mensch den Text vor der Veröffentlichung fachlich geprüft hat und jemand die redaktionelle Verantwortung übernimmt. Die Erläuterungen der Kommission halten überdies ausdrücklich fest, dass eine bloße Rechtschreibprüfung dafür nicht genügt, ein vollumfängliches Fachlektorat hingegen sehr wohl. Heißt: Die fachliche Durchsicht ist nicht länger allein eine Frage der Qualität, sondern eine rechtliche geworden.
Was ich dabei leiste
Ich arbeite seit zwanzig Jahren mit Texten und seit fünfzehn Jahren als professionelle Lektorin sowie seit 2022 eingehend mit generativer Text-KI, über die ich bisher zwei Bücher geschrieben habe. Aus meiner Expertise ergeben sich meine spezialisierten Dienstleistungen, die derart anderweitig nicht angeboten und aktuell von keinem KI-System übernommen werden können.
Ich erkenne die maschinelle Handschrift. Sprachmodelle hinterlassen Spuren, und zwar in der Lexik, in der Satzarchitektur, in der Interpunktion sowie in der Art, wie sie Szenen auflösen, Gegensätze bauen und Absätze schließen. Diese Merkmale habe ich systematisch erhoben und widme ihnen in der zweiten Auflage meines SchreibWende-Ratgebers, die im Winter 2026 erscheint, einen umfassenden Teilbereich.
Interesse daran? Auszugsweise sind Details, die KI-generierte sowie assistierend mit KI überarbeitete Texte entlarven unter Die Handschrift der Maschine zu finden.
Ich bewahre Ihren Duktus. Ehe ich in ein Manuskript eingreife, erhebe ich, wie Sie tatsächlich schreiben: Satzlängen und ihre Streuung, Anteil der Hypotaxe, Einschübe, bevorzugte Anschlüsse, wiederkehrende Rhythmusfiguren. Daraus ergibt sich ein Rahmen, den keiner meiner Eingriffe und Optimierungsvorschläge verlässt, sodass Ihr Text sensibel optimiert wird, ohne danach nach jemand anderem zu klingen; nachzulesen unter Stilspiegel.
Ich übernehme die Verantwortung. Auf Wunsch dokumentiere ich die Prüfung vorgelegter Texte schriftlich, sodass Sie gegenüber Verlag, Auftraggeber:innen oder Prüfstelle belegen können, dass Ihr Text eine fachliche Redaktion durchlaufen hat; nachzulesen unter Imprimatur.
Meine Haltung
Ich verteufle diese Werkzeuge nicht, zumal ich selbst mit ihnen arbeite, und ich halte nichts davon, so zu tun, als ginge vorüber, was sich aktuell entwickelt und Wege einschlägt, von denen niemand auch nur träumen konnte. Ich bin allerdings sicher, dass kein KI-Modell einen Text verantworten kann, und ich halte den Verlust des eigenen Duktus und Stils für den teuersten Preis, den Schreibende derzeit zu zahlen bereit sind. Als ehrlicher Mensch empfinde ich zudem ein transparentes, verantwortungsbewusstes Vorgehen als unerlässlich: Wo KI genutzt wird, muss eine Kennzeichnungerfolgen
Weiterlesen
Mein SchreibWende-Ratgeber und das SchreibWende-Workbook behandeln all dies und noch mehr ausführlich. Mit den von mir zusammengestellten Schreibübungen, Prompts und Beispielen aus der Lektoratspraxis für ein versiertes Eigenlektorat mit und ohne KI sind Autor:innen auf der sicheren Seite; beide Bände samt Bonusmaterial finden Sie auf schreibwende.at.
